Lilofee und der wilde Wassermann
Jeden Tag komme ich auf dem Weg in mein Büro an einem der besten Reitsportläden unsere Stadt vorbei. Vor kurzem glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen, rosa, nichts als rosa und pink – Sattelunterlagen, Abschwitzdecken, Bandagen, Halfter, Steppjacken und Reitwesten, Striegel und Putzkästen. Und erkennbar nicht nur für kleine Reiterinnen, sondern für Erwachsene und alles in gehobener Preisklasse. Ein Werbeplakat zeigte in Übergröße ein Pferdeauge, in dem sich eine stolze Amazone, nach neuester Mode gekleidet, spiegelt. Überschrift: „Wenn ihr Pferd nur noch Augen für sie hat!“ Nun wissen wir ja spätestens seit der FN-Studie, dass die Zukunft der Reiterei weiblich ist – aber das war mir dann doch etwas krass. Lassen jetzt auch schon die schon die Hersteller rund ums Pferd zukunftsträchtig und gewinnorientiert die Männlichkeit schlichtweg links liegen? Keine lohnende Zielgruppe mehr?
Kürzlich gratulierte man mir zu meinem neugeborenen Enkel. „Junge oder Mädchen?“ war die obligatorische Frage. „Ein Junge“. Und prompt: „ Wie schade, noch ein Kind, das der Reiterei verloren gehen wird“. Schauen wir uns nur das Geschlechterverhältnis unsere WM-Equipe an! Früher war das mal umgekehrt. Und auf Jugendmeisterschaften sind die Herren der Schöpfung so dünn gesät wie sonst wohl nur beim Balett. Da schaut sich die flügge gewordene Töchtergeneration schon mal unter den Springreitern oder Polospielern um, auch die Westernreiter kennen keine männlichen Nachwuchsprobleme. Beim Reiterball nur mit der besten Freundin zu tanzen, ist schließlich nicht so wahnsinnig aufregend.
Das können wir natürlich einfach als unvermeidlich so hinnehmen – müssen wir aber nicht. Jedenfalls nicht, wenn man wie ich findet, dass erst ein ausgewogenes Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Elementen das Salz in der Suppe ist – sei es im Beruf oder in der Freizeit. Alleinerziehende Mütter, Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen und jetzt auch noch Reitlehrerinnen, das kann nicht gut gehen. Fast die gesamte kindliche Entwicklung ist fest in Frauenhand. Damit orientiert sich auch der Ausbildungsalltag, in Schule und Reitschule, zunehmend an dem angeblich schwachen Geschlecht. Der Erfolg sind bessere Abiturnoten, bessere Universitätsabschlüsse und schließlich auch bessere Turnierplatzierungen der Mädchen.
Alte Volksweisen lehren uns ja schon, dass Frauen und Männer, Jungen und Mädchen, irgendwie „anders ticken“, eben der wilde Wassermann und die schöne Lilofee. Sparten, die zu Frauendomänen werden, scheinen für Männer (und kleine Jungen) nicht mehr interessant. Jeder Mensch ist süchtig nach Anerkennung und die kleinen Helden spielen da dann einfach nicht mehr mit. Igitt, Weiber!
Vor kurzem war es in der Wochenzeitschrift „Die Zeit“ zu lesen. Eine geschlechtsneutrale Erziehung klappt irgendwie nicht. Mädchen spielen immer noch mit Puppen, lieben die Farbe rosa, die Jungen fast schon Übelkeit verursacht. Jungen untersuchen eine Puppe erst einmal auf ihre Funktionalität, Mädchen geben dem Bagger einen Namen und legen ihn abends zum schlafen. Und wenn ich mich dann in meiner eigenen Famlie umsehe, ergibt sich dasselbe Bild. Jonah, Spross friedliebender Akademikereltern (und voll berufstätiger Mutter), rennt mit dem Kriegsschrei „Attacke!“ durch den Garten, funktioniert jeden Stock zu Motorsäge oder Presslufthammer um, während Clara hingebungsvoll einem Stoffpferdchen die Mähne kämmt und beim Anblick eines rosa Kleidchens mit aufgesticktem Ponykopf in Verzückung gerät. Aber immerhin tröstet auch die „Zeit“: Lässt man die Kleinen die überkommenen Rollenbilder ausleben, dann sind sie später umso eher bereit, diese in Frage zu stellen und Grenzen zu überschreiten. Der wilde Wassermann spielt hingebungsvoll mit seinen Kindern und steckt für sie beruflich zurück, während Lilofee die Karriereleiter erklimmt.
Was bedeutet das jetzt für unseren Sport? Früher war nicht alles besser, aber es gab Jungs! Sowohl in unserem Großpferdereitstall wie auch – Walter, Bruno und all den anderen sei Dank – in der Islandpferdeszene. Im Reitstall überzeugte die Männlichkeit nicht unbedingt durch Fleiß und Disziplin, aber der Umgangston war ohnehin rauher, schließlich war der Reitlehrer auch ein Mann und taugliche Identifikationsfigur. Turnierfolg stand nicht unbedingt im Mittelpunkt, um anerkannt zu werden. Schon eher Mut, ja zuweilen Waghalsigkeit. Im Springparcour dominierten die Draufgänger. Unvergessen auch die Zeltlager unseres Reiterbundes. In einem großen Waldgebiet, fernab der Zivilisation, trafen sich alljährlich die Jugendlichen des Reitbundes Kiel. Für die Pferde wurden provisorische Stallzelte gebaut. Die Rollenverteilung war klar. Die Jungen sägten und hämmerten und teilten sich die Nachtwachen bei den Pferden, die Mädchen waren fürs Abwaschen zuständig. Ausmisten war Männersache, die Fütterung lag in weiblicher Hand. Und es kam schon mal vor, dass sich unser Jugendwart – natürlich alter Kavallerie-Offizier – zu nächtlicher Stunde ohne Sattel auf seinen Holsteiner (180 Sockmaß) warf und rief: „Wer hat Mut und kommt mit?“ Und dann ging es ab durchs stockdunkle Unterholz und kein Junge ließ sich lumpen.
Und in der Islandpferdszene gab es Geländeritte und Galoppennen. Ein schwieriges Pferd zu meistern galt in der Dressur zuweilen mehr als die korrekte Aufgabenerfüllung. Es adelte die Männlichkeit geradezu, mindestens einmal das Dressurviereck in Aegidienberg unfreiwillig verlassen zu haben (und der Zaun war hoch). Natürlich können und wollen wir die Zeit nicht mehr zurückdrehen. Unser Sport ist auch viel anspruchsvoller geworden. Wir sollten nur einmal darüber nachdenken, was wir unseren kleinen Männern denn bieten könnten, um sie für unseren Sport zu begeistern. Natürlich haben wir die Passrennen. Aber der Haken an der Sache ist, dass man schon verdammt gut reiten können muss, um hier erfolgreich zu sein. Und vorher sind uns die Jungs dann schon abhanden gekommen.
Aber wir könnten die kleinen Reiter so akzeptieren wie sie sind, könnten sie dort abholen, wo sie stehen, ihnen Vorbilder des eigenen Geschlechts anbieten. Hier sind unsere männlichen Profis gefragt, die – zugegeben – gerne die Förderung der Turnierkader in die eigene Hand nehmen, aber doch den Unterricht der Kleinen meist den Kolleginnen überlassen. Schon gehen die ersten Großpferdeställe dazu über, spezielle Jungengruppen einzurichten, wo es im Unterricht ruhig etwas wilder und rauher zugehen darf, wo man sich in schnellen Reiterspielen misst, Nachtritte und Zeltlager veranstaltet – ohne zickige Weiber. Der Erfolg soll groß sein. Und aus diesen wilden Burschen kann später dann ja doch noch ein gesitteter Ovalbahneiter und vielleicht sogar Weltmeister werden (siehe oben).
PS. Um Missverständnissen vorzubeugen: Die Verfasserin ist durchaus feministisch bewegt und nimmt den Gleichheitssatz des Grundgesetzes sehr ernst, glaubt aber, dass Gleichwertigkeit nicht dasselbe ist wie Gleichartigkeit.
Juli 22nd, 2010 at 00:17
Buy:Accutane.Petcam (Metacam) Oral Suspension.Actos.Lumigan.Mega Hoodia.Prednisolone.Arimidex.Valtrex.Synthroid.Zyban.Prevacid.100% Pure Okinawan Coral Calcium.Nexium.Zovirax.Retin-A.Human Growth Hormone….
August 30th, 2010 at 04:17
no http://xpioneerqxfvpa.ALLSTOCKSPORT.INFO/tag/R2-D2+no+my/ : my…
my…